3 Fragen an Andreas Bechtold

3 Fragen an Andreas Bechtold

Mit dem Studiengang Kommunikationsdesign der HTWG Konstanz verbindet uns viel. Zum Beispiel der Film über Professor Michael Baviera, den unsere Tanja als Diplomarbeit ihres Studiums drehte. Betreuender Professor war damals Andreas P. Bechtold, den wir für die neueste Ausgabe unserer „3 Fragen an …“ interviewten.

Jan Mittelstaedt: Die erste Diplomarbeit, die Du betreut hast, war der Film »Hinter rauen Fassaden« über den schweizer Kommunikationsdesigner Prof. Michael Baviera.Welche Erinnerungen hast Du daran?

Andreas Bechtold: Ich kann mich noch erinnern, dass ich anfangs zurückzuckte. Der eine Grund war, dass jemand, der nicht Film studiert, als Abschluss in einem Kommunikationsdesign-Studiengang einen Film macht. Wo will die Studentin sich damit bewerben? Der zweite Gedanke war, dass es schwierig sein kann, einen Film über einen Professor zu machen, der diesen Film dann auch noch bewerten wird. Auf der anderen Seite bin ich ausgebildeter Dokumentarfilmregisseur und dachte, da kann ich mich jetzt nicht drücken. Zudem hatte ich den Eindruck, dass die Studentin das unbedingt machen wollte.

Im Grunde konnte ich mit der Studentin Tanja nur ein paar Dinge im Vorfeld besprechen, vor allem, was die Themen im Film sein könnten: Natürlich sein Design, seine Haltung zum Design und dann seine Krankheit, die im Film zu sehen ist. Sie konnte so nicht ausgelassen werden, sollte gleichzeitig aber nicht zu viel Raum einnehmen. Und dann gingen schon die Dreharbeiten los. Tanja hat in Barbaresco auf der Exkursion, wo man ins Haus von Michele Baviera führte, gedreht, dann verschiedene Interviews, und natürlich bei ihm zuhause in Zürich. Es war sehr viel Material.

Dann habe ich eine Lücke in meiner Erinnerung, bis ich dann den ersten Rohschnitt sah und merkte: Das ist gut geworden. Der Film funktionierte. Zwar waren ein paar handwerkliche Fehler drin – zu wenig Nahaufnahmen, zu viele Totalen – aber das haben wir am Ende ganz gut hingekriegt.

Die Pointe der Geschichte ist, dass Michele Baviera den Film bis zum Ende seiner Tätigkeit als Professor im Studiengang Kommunikationsdesign den neuen Studenten vorgeführt hat, um sich vorzustellen. Also muss er wohl dahinter stehen und ihn wohl auch mögen…

 

Jan Mittelstaedt: Thema Zeitgeist in der (Werbe-)Filmproduktion: Muss man selbst regelmäßig fernsehen, um gute Werbefilme drehen zu können?

Andreas Bechtold: Das ist eine Frage, die an jede Form von Kreation gestellt werden kann: »Hemmt mich etwas an meiner Vorstellungskraft oder inspiriert mich etwas?«. Ich glaube, je länger man in dem Business ist, je souveräner man mit Aufgaben umgehen kann, je souveräner man mit sich als Kreativem umgehen kann, desto weniger wiegt der Druck, alles neu erfinden zu müssen. Da kann man auch sagen: »Ich steh auf den Schultern von denen, die das so ähnlich gemacht haben, versuche das zu variieren und es noch ein bisschen besser zu machen.« Wenn einem das gelingt, kann man sich hilfreich inspirieren lassen. Wenn man noch jung ist, muss man schon sehr souverän sein, um nicht Gefahr zu laufen, plump zu kopieren.

Ich glaube, es hängt auch sehr vom Thema und vom Genre ab. Wenn ich etwas präsentieren müsste, das ich noch nie gemacht habe, dann würde ich so viel wie möglich anschauen. Wie präsentiert man ein Auto, wie präsentiert man eine Tüte Kaffee und wie präsentiert man ein Bankinstitut? Das sind drei unterschiedliche Genres. Generell muss das aber jeder für sich selbst herausfinden. In dem Business geht Sicherheit meistens vor und die Angst geht um, etwas falsch zu machen. Insofern kann es nicht schaden zu wissen, was die anderen tun, um dann auch argumentieren zu können: Das funktioniert sicher, lieber Kunde, und das hier ist etwas, wo du etwas wagst.

 

Jan Mittelstaedt: Eine These, zu der ich Dich um eine Meinung bitten würde: Die immer günstiger werdende Technik im Bereich Filmproduktion trennt endlich die Spreu vom Weizen.

Andreas Bechtold: Es war schon immer egal, wie billig oder wie teuer die Technik war. Die Produktionskosten trennen die Spreu vom Weizen nicht.  Es ist zwar immer leichter geworden, Filme zu machen, aber es ist immer noch genauso schwer wie früher, gute Filme zu machen. Wenn du keine Idee hast für eine Geschichte, wenn du nicht in der Lage bist, diese Idee in Bilder, Farben, Bewegung und Text umzusetzen, dann ist es egal, wie teuer das Equipment ist etc.

Jan Mittelstaedt: Aber heute können junge Menschen mit einer Idee etwas auf die Beine stellen, das alle vom Hocker haut. Einfach nur mit iPhone und iMovie. Früher ging das nicht. Da haben sich die Filmemacher hinter großen Maschinenparks versteckt. Heute ist die Idee in den Mittelpunkt gerückt.

Andreas Bechtold: Ich gebe dir Recht. Es ist einfacher geworden, als es früher war. George Lucas sagte, dass es durch die Handycams einen Schub in der Filmwirtschaft geben wird. Filme würden auf längere Sicht besser werden, da nun viele Talente entdeckt werden würden. Das ist Quatsch. Das war nicht der Grund, warum der Film in den letzten dreißig Jahren besser geworden ist; wenn das überhaupt der Fall ist. Ich bin überzeugt, dass es nur die Idee ist, die darüber entscheidet, ob ein guter Film entsteht.

Aber – und da geht wohl auch Deine Frage hin: Hochwertige Technik ist für jedermann zugänglich und ist so faszinierend geworden, liefert so gute Qualität, dass es fast so aussieht wie Hollywood, dass es fast so aussieht wie Fernsehen. Deshalb haben viel mehr Leute Lust, das auszuprobieren, damit zu arbeiten. So werden sich mehr Menschen finden, die dazu Talent haben. Die Konkurrenz wird größer und das hebt die Qualität. Aber am Ende ist es immer die Idee, die Qualität ausmacht, nicht die Technik.

 

Über Andreas Bechtold:

Prof. Andreas P. Bechtold ist Professor für Timebased-Design an der HTWG Konstanz, das heißt, er unterrichtet den rechten Umgang mit Bewegtbild und Sound im Kommunikationsdesign. Er studierte Katholische Theologie in Freiburg und in Granada/Spanien sowie Film an der Filmakademie Baden-Württemberg, ist Gründungsmitglied des IPS (Institut für professionelles Schreiben) und derzeit Leiter der Studiengänge Kommunikationsdesign. Andreas Bechtold arbeitet als Filmemacher sowie als Kinderbuchautor.