Selbstmarketing online (Teil 1)

Selbstmarketing online (Teil 1)

Wer im Internet gar nicht oder nur unvorteilhaft präsent ist, muss sich bei der Mediengestalter-Bewerbungs-Vorauswahl ans Ende der Warteschlange einreihen. Denn jeder Personalverantwortliche wird zur Prüfung eines potentiell interessanten Bewerbers oder einer Bewerberin das Internet befragen. Dabei ist die Erstellung eines persönlichen und qualitativen Online-Portfolios mit Hilfe der sozialen Medien ein Kinderspiel. Von der Meta-Ebene aus betrachtet geht es um die Pflege der eigenen Online-Identität.

Ein absolut probates Mittel für eine digitale Bewerbung bei einer Werbeagentur ist eine eigene Website. Doch bevor es an die Auswahl der Entwicklungstechnik für solch eine Homepage geht, sollte der Bewerber sich darüber im Klaren sein, was er oder sie dort eigentlich darstellen will. „Content is King“ – der Inhalt ist immer noch wichtiger als die Form. Im Idealfall sind natürlich beide Elemente von hoher Qualität. 

Deshalb lauten die ersten Fragen bei der Planung der eigenen Website: Was will ich überhaupt damit erreichen (Meta-Ebene), für wen ist die Seite gemacht (dito) und welche Inhalte sind demzufolge zielführend (konkrete Ebene). Erst wenn diese Fragen beantwortet sind, kann es an die Ausarbeitung der Inhalte gehen. Nachdem klar ist, was dargestellt werden soll, folgt die Entscheidung über das „Wie“. 

Und hier gibt es diverse kostenlose oder -günstige Optionen. Wie wäre es zum Beispiel mit einer eigens für die Bewerbung erstellten Facebook-Seite? Es muss gar nicht die private Facebook-Seite sein, deren Inhalte möglicherweise nicht in allen Fällen förderlich für die Bewerbung sind. Facebook bietet viele Möglichkeiten der Selbstdarstellung. Wenn es eine richtige eigene Website sein soll, dann gibt es auch hier verschiedene Optionen. Angefangen bei Homepage-Baukästen bis hin zur wirklich selbst gestalteten und programmierten Website. Wer diesen Weg beschreiten möchte, wird ihn finden. 

Eine clevere Art und Weise der Selbstdarstellung im Internet sind Videos. Es kostet im Zeitalter von Smartphones und eingebauten Laptop-Kameras kein Geld, sondern nur Zeit und Mühen, ein Video über sich selbst zu produzieren und im Internet auf einer Streaming-Platform darzustellen. Dabei muss es nicht immer eine öffentlich zugängliche Seite sein, auf der alle Nutzer des Internet das Video sehen können. Es gibt je nach Privatsphäre-Einstellung individuelle Optionen zur Darstellung, zum Beispiel Passwortschutz. Clever ist eine persönliche Ansprache des Empfängers am Anfang des Videos. Damit ist dem Bewerber oder der Bewerberin die Aufmerksamkeit der Zielperson gewiss. So ein eigenes Imagevideo ist sehr nice-to-have!

Das absolute Must-have einer Online-Bewerbung ist ein qualitatives PDF mit allen relevanten Inhalten und Arbeitsproben. Also das digitale Abbild der klassischen Bewerbungsmappe. Doch was ist ein qualitatives PDF? In meinen Augen ist es ein PDF, welches sowohl inhaltlich als auch gestalterisch und technisch ein hohes Niveau aufweist. Es sollten also die angesprochenen Inhalte stimmen, und zwar sowohl thematisch als auch hinsichtlich der Formulierung und der Rechtschreibung. 

Außerdem sollte das PDF eine durchgängige Gestaltung erkennen lassen, die dem Personalentscheider Mut macht und letztlich sollten die Auflösung der verwendeten Bilder und die Größe der Dateien in einem guten Verhältnis zueinander stehen. Dazu bedarf es einer genaueren Betrachtung des Themas Bildkomprimierung. Sicherlich ist dies nicht gerade ein besonders kreatives Feld, doch es muss sein. 

Denn Mediengestaltung ist mehr als Kreativität. Es geht auch um Präzision und Technik. Und wenn eine Bewerbungs-PDF mit nur 3 Seiten 28 Megabyte Dateigröße mitbringt, ist zumindest schon mal klar, dass hier noch kein Wissen vorhanden ist. Und das kommt leider dauern vor. Daher gilt: Um in der Warteschlange der Bewerber um einen Mediengestalter-Ausbildungsplatz bei einer Werbeagentur ein gutes Stück weiter nach vorne zu rutschen, lohnt sich das Zeit-Investement in diese Fähigkeiten.

Mehr dazu in Kürze in Teil 2 des Traumberuf Mediengestalter-Blogposts über „Selbstmarketing online“.

Dieser Text ist Teil der Serie „Traumberuf Mediengestalter“. Unter diesem Label bloggt Jan Mittelstaedt über einen der beliebtesten Ausbildungsberufe und wie es Bewerberinnen und Bewerber bis ins Bewerbungsgespräch schaffen können. Hier geht es zur Übersicht der bereits erschienen Beiträge.