Mediengestaltung beginnt auf der Metaebene

Mediengestaltung beginnt auf der Metaebene

Bei vielen Fragestellungen und Herausforderungen nicht nur im gestalterischen Bereich ist es hilfreich, sich zunächst von der konkreten Fragestellung etwas zu entfernen und damit sozusagen einen Schritt zurück zu treten, auf die Meta-Ebene zu gehen.

Ein Beispiel: Wir wünschen uns von unseren Bewerberinnen und Bewerbern ausdrücklich Online-Bewerbungen. Also digital, nicht auf dem Postweg. Statt sofort loszupreschen und sich die Frage zu stellen, was man denn in diese Online-Bewerbung hineinschreiben sollte, ist die Frage, was denn eine Online-Bewerbung eigentlich ist, eventuell sehr hilfreich. Denn wer sich diese Frage stellt, kommt möglicherweise von ganz alleine auf eine Idee, mit der er seine Chancen auf meine Aufmerksamkeit schlagartig und fast ohne Aufwand erhöhen kann.

Was könnte das sein? Also, dann gehen wir diesen Gedankengang doch einmal gemeinsam und rein exemplarisch durch. Was ist das eigentlich, eine Online-Bewerbung? Es ist eine Bewerbung, die nicht per Post übermittelt wird und daher auch nicht in einem Brief gelesen wird. Der Empfänger der Bewerbung ist zugleich die Zielgruppe des Bewerbers. Für ihn ist die Online-Bewerbung gemacht. Er hat seinen Wunsch geäußert, eben keinen Brief zu erhalten, sondern etwas Digitales, das er auf seinem Bildschirm anschauen und möglicherweise bei Interesse auch digital weiterleiten kann. Auf seinem Bildschirm. Ein Bildschirm. Gibt es einen Unterschied zwischen einem herkömmlichen Brief und einem Bildschirm? Abgesehen davon, dass ein Brief etwas Haptisches hat, also einen weiteren Sinn anspricht, gibt es noch einen viel offensichtlicheren Unterschied zum Brief: Das Seitenverhältnis. Ein Brief kommt im A4-Hochkant-Format daher und ein Computer-Bildschirm ist quer.

Klingt trivial. Ist es auch. Und trotzdem sind gefühlte 99 Prozent der Online-Bewerbungen, die uns erreichen, im Hochformat als klassische DIN A4 Dateien angelegt. Aber genau das ist eben Gestaltung von Kommunikation, sich über so etwas Gedanken zu machen. Denn mit diesen Gedanken beweist der Absender, dass er – oder sie – sich über die Wirkung nicht nur seines Textes sondern eben des gesamten Erscheinungsbildes seiner Bewerbung im Klaren ist. Diese Herangehensweise ist eine ebenso simple wie in den meisten Fällen Erfolg versprechende Methode, ein Ergebnis besser zu machen. Und wer noch ein Weilchen auf der Meta-Ebene verweilt, kann noch eine ganze Menge weiterer Erkenntnisse gewinnen.

Grüße von der Metaebene
Ihr Jan Mittelstaedt

Dieser Text ist Teil der Serie „Traumberuf Mediengestalter“. Unter diesem Label bloggt Jan Mittelstaedt über einen der beliebtesten Ausbildungsberufe und wie es Bewerberinnen und Bewerber bis ins Bewerbungsgespräch schaffen können. Hier geht es zur Übersicht der bereits erschienen Beiträge.